Schluckauf entsteht durch einen Reflex des Zwerchfells und das kurze Schließen der Stimmritze
Schluckauf entsteht durch einen Reflex des Zwerchfells und das kurze Schließen der Stimmritze

Warum bekommt man Schluckauf?

Ein kleines Körperrätsel aus dem Alltag

 

Schluckauf gehört zu den kleinen Eigenheiten unseres Körpers, über die man selten nachdenkt – bis er plötzlich da ist.

Bei meiner Tochter zum Beispiel war Schluckauf schon ein treuer Begleiter, lange bevor sie überhaupt geboren wurde. Während meiner Schwangerschaft konnte ich im Bauch immer wieder dieses rhythmische kleine Zucken spüren. Die Hebamme erklärte mir damals lachend, dass Babys im Mutterleib tatsächlich Schluckauf bekommen können, weil sie ihr Zwerchfell trainieren.

Und auch heute passiert es noch regelmäßig – besonders dann, wenn sie herzhaft lacht. Ein paar Sekunden später folgt dann zuverlässig das bekannte kleine „Hicks“.

 

Bei mir selbst ist der Auslöser ein ganz anderer. Wenn ich trockenes Brot esse, dauert es oft nicht lange, bis der Schluckauf auftaucht. Ein paar Bissen zu schnell gegessen – und schon meldet sich das Zwerchfell.

 

Solche kleinen Situationen kennt vermutlich jeder. Man sitzt beim Essen, trinkt ein Glas Wasser oder unterhält sich – und plötzlich passiert es.

Hicks.

Dann noch einmal.

Hicks.

 

Meist verschwindet der Schluckauf nach wenigen Minuten wieder, und man denkt nicht weiter darüber nach. Gerade weil er so alltäglich ist, fragen sich viele Menschen gar nicht, was im Körper dabei eigentlich passiert.

Dabei steckt dahinter ein erstaunlich interessanter Reflex unseres Körpers.

Der medizinische Begriff für Schluckauf lautet Singultus. Hinter diesem etwas komplizierten Wort verbirgt sich im Grunde eine spontane Reaktion unseres Atemsystems. Ausgelöst wird sie vom Zwerchfell, unserem wichtigsten Atemmuskel.

 

Das Zwerchfell ist eine große Muskelplatte, die Brustraum und Bauchraum voneinander trennt. Jedes Mal, wenn wir einatmen, bewegt sich dieser Muskel nach unten und ermöglicht es der Lunge, sich auszudehnen. Ohne das Zwerchfell wäre normales Atmen gar nicht möglich.

Beim Schluckauf passiert nun Folgendes: Das Zwerchfell zieht sich plötzlich und unwillkürlich zusammen – fast wie ein kurzer Krampf. Dadurch wird Luft ruckartig in die Lunge gezogen. Gleichzeitig schließt sich für einen winzigen Moment die Stimmritze im Kehlkopf.

Genau dieses Zusammenspiel erzeugt das typische Geräusch, das wir alle kennen: „Hicks“.

Der ganze Vorgang dauert nur einen Augenblick, wird aber über ein erstaunlich komplexes Zusammenspiel von Nerven gesteuert. Mehrere Nerven sind daran beteiligt, besonders der sogenannte Zwerchfellnerv (Nervus phrenicus) sowie der Vagusnerv, der viele Organe im Brust- und Bauchraum versorgt und eine wichtige Rolle im vegetativen Nervensystem spielt.

 

Wird dieses empfindliche System kurz gereizt, kann der Schluckaufreflex ausgelöst werden. Das erklärt auch, warum Schluckauf häufig nach ganz alltäglichen Situationen auftritt. Viele Menschen bekommen ihn nach hastigem Essen oder wenn der Magen plötzlich stark gefüllt ist. Auch Kohlensäure, Alkohol oder sehr heiße und sehr kalte Speisen können eine Rolle spielen. Manchmal reicht sogar ein schneller Schluck Wasser.

Auch Stress oder starke emotionale Momente – etwa herzhaftes Lachen – können das Nervensystem so beeinflussen, dass der Reflex ausgelöst wird. Unser Körper reagiert dann gewissermaßen mit einem kleinen „Störsignal“ im Atemrhythmus.

 

Vielleicht hast du auch schon einmal bemerkt, dass es unzählige Hausmittel gegen Schluckauf gibt. Manche halten die Luft an, andere trinken ein Glas Wasser in kleinen Schlucken, wieder andere schwören auf einen Teelöffel Zucker.

So kurios manche dieser Methoden klingen mögen – sie haben tatsächlich einen nachvollziehbaren Hintergrund. Viele dieser Tricks wirken, weil sie das Nervensystem kurz aus seinem gewohnten Rhythmus bringen. Dadurch kann der Reflex unterbrochen werden und das Zwerchfell beruhigt sich wieder.

In den allermeisten Fällen verschwindet Schluckauf deshalb nach wenigen Minuten von ganz allein.

 

Trotzdem gibt es Situationen, in denen man genauer hinschauen sollte. Wenn Schluckauf sehr lange anhält – zum Beispiel länger als zwei Tage – oder immer wieder ungewöhnlich häufig auftritt, kann es sinnvoll sein, das ärztlich abklären zu lassen. In seltenen Fällen können Reizungen von Nerven oder Erkrankungen im Verdauungssystem eine Rolle spielen. Zum Glück ist das aber eher die Ausnahme.

 

Für die meisten Menschen bleibt Schluckauf einfach das, was er meistens ist: eine kleine, manchmal etwas nervige Eigenheit unseres Körpers.

Wenn man weiß, was dahintersteckt, verliert dieses kleine „Hicks“ aber schnell seinen Schrecken. Es ist letztlich nur ein kurzer Reflex unseres Zwerchfells – ein kleines Zusammenspiel aus Muskeln, Nerven und Atmung, das meist genauso schnell wieder verschwindet, wie es gekommen ist.

Und manchmal reicht es schon, einmal bewusst ruhig durchzuatmen.

 

Persönlicher Abschlussgedanke

Unser Körper kommuniziert ständig mit uns – manchmal laut, manchmal ganz leise. Schluckauf gehört zu diesen kleinen Signalen, die im Alltag oft einfach passieren und genauso schnell wieder verschwinden.

Wenn man versteht, was dahintersteckt, verlieren viele dieser Körperreaktionen ihren Schrecken. Statt sich Sorgen zu machen, kann man sie einfach als das sehen, was sie meist sind: eine kurze Reaktion unseres Nervensystems auf einen kleinen Reiz.

Vielleicht kennst du solche Momente auch – ein Muskelzucken, ein Magenknurren oder plötzliches Gähnen ohne erkennbaren Grund. Unser Körper hat viele dieser kleinen Eigenheiten. Und oft lohnt es sich, ihnen einen Moment Aufmerksamkeit zu schenken und zu verstehen, was sie uns sagen möchten.

Denn wer seinen Körper versteht, kann gelassener mit ihm umgehen.

 

Sanfte Einladung zum Weiterlesen

Solche kleinen Körperphänomene begegnen uns im Alltag ständig. Viele davon wirken zunächst rätselhaft, haben aber meist eine ganz einfache Erklärung.

Wenn dich solche Themen interessieren, findest du auch in meinem Channel immer wieder kurze Einblicke rund um Körper, Gesundheit und Alltag – verständlich erklärt und ohne unnötigen Fachjargon.

 

Denn Gesundheit beginnt oft nicht mit komplizierten Konzepten, sondern mit einem besseren Verständnis für die Signale des eigenen Körpers.

 

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