Beitragsbild von Gesunderfolgreich zum Thema versteckter Stress: Eine Frau sitzt entspannt mit einer Tasse auf dem Sofa, umgeben von Symbolen für Gehirn, Schlaf, Herz, Verdauung, Immunsystem, Hormone und Bewegung; dazu der Titel „Du hast keinen Stress? Bist du sicher?“.
Beitragsbild von Gesunderfolgreich zum Thema versteckter Stress: Eine Frau sitzt entspannt mit einer Tasse auf dem Sofa, umgeben von Symbolen für Gehirn, Schlaf, Herz, Verdauung, Immunsystem, Hormone und Bewegung; dazu der Titel „Du hast keinen Stress? Bist du sicher?“.

Du hast keinen Stress? Bist du sicher?

Warum dein Körper manchmal unter Belastung steht, obwohl du dich bestens fühlst – und was Haare, Haut, Hormone, Darm und Immunsystem damit zu tun haben.

Ich? Stress? Nö!

Du stehst morgens auf, gehst arbeiten, erledigst deinen Haushalt, kümmerst dich um die Familie und findest zwischendurch sogar noch Zeit für Sport. Du bist organisiert, motiviert und hast deine Aufgaben im Griff. Vielleicht liebst du dieses volle Leben sogar und genießt es, wenn immer etwas los ist.

Läuft doch! Stress? Welcher Stress? 🤣

Und trotzdem schläfst du seit einiger Zeit schlechter. Dein Bauch veranstaltet gelegentlich eine Revolution, deine Haut macht, was sie will, oder du fühlst dich zunehmend erschöpft, obwohl du doch eigentlich alles ganz gut meisterst. Was aber, wenn dein Körper eine völlig andere Meinung zu deinem Alltag hat als du?

Denn hier kommt die erste Überraschung: Stress muss sich nicht stressig anfühlen! Und das ist erst der Anfang einer ziemlich spannenden Geschichte darüber, was in unserem Körper passiert, während wir glauben, alles bestens im Griff zu haben.

Auch schöne Dinge können Stress auslösen. Wie bitte?!

Stell dir vor, du freust dich auf deinen wohlverdienten Urlaub, planst eine Hochzeit, bereitest dich auf einen sportlichen Wettkampf vor oder bekommst endlich die berufliche Chance, auf die du lange gewartet hast. Du bist begeistert, voller Vorfreude und möchtest am liebsten sofort loslegen.

Dein Körper übrigens auch – allerdings möglicherweise auf seine ganz eigene Weise. 🤣

Dein Herz schlägt schneller, du bist aufmerksamer, vielleicht schläfst du vor Aufregung schlechter oder kannst kaum stillsitzen. Obwohl du dich großartig fühlst, läuft in deinem Körper gerade ein ziemlich umfangreiches Aktivierungsprogramm.

Dein Gehirn erkennt eine Herausforderung und aktiviert verschiedene Systeme, die dich darauf vorbereiten. Unter anderem wird der sogenannte Sympathikus aktiv. Das ist der Teil deines Nervensystems, der deinen Körper auf Leistung und schnelle Reaktionen einstellt. Auch Botenstoffe und Hormone wie Adrenalin und Cortisol können daran beteiligt sein. Dein Körper stellt zusätzliche Energie bereit, steigert deine Aufmerksamkeit und passt zahlreiche Abläufe an die bevorstehende Situation an. Und das alles kann passieren, obwohl du dich gerade ausgesprochen wohlfühlst!

Guter Stress, schlechter Stress – oder doch nicht so einfach?

Vielleicht hast du in diesem Zusammenhang schon einmal die Begriffe Eustress und Distress gehört. Eustress nennt man positiv erlebten Stress, beispielsweise Vorfreude, Begeisterung oder eine motivierende Herausforderung. Distress hingegen beschreibt Stress, den wir als unangenehm, bedrohlich oder überfordernd empfinden.

Klingt zunächst nach einer klaren Trennung, oder? Aber ganz so einfach ist es nicht.

Nur weil du etwas gerne machst, bedeutet das nämlich nicht, dass es deinen Körper keine Energie kostet. Ein aufregendes Wochenende, ein geliebter, aber anspruchsvoller Job oder intensives Training können durchaus anstrengend sein. Das heißt selbstverständlich nicht, dass Freude ungesund ist. Es bedeutet lediglich, dass positive Gefühle und körperliche Belastung gleichzeitig auftreten können.

Umgekehrt ist auch nicht jede unangenehme Stressreaktion automatisch schädlich. Viel entscheidender ist, wie intensiv und wie lange eine Belastung anhält, wie häufig sie sich wiederholt und ob dein Körper ausreichend Gelegenheit bekommt, sich davon zu erholen. Oder anders ausgedrückt: Auch Begeisterung ersetzt keinen Schlaf! 🤣

Dein Körper ist ein Anpassungsprofi. Aber kein Dauerläufer!

Unser Körper ist ein echtes Anpassungswunder. Er kann hochfahren, wenn wir Leistung bringen müssen, und anschließend wieder herunterfahren, wenn die Herausforderung vorbei ist. Zumindest ist das der Plan. Blöd nur, wenn ständig die nächste Aufgabe um die Ecke kommt.

Die Arbeit ist erledigt? Wunderbar! Dann warten vielleicht noch Haushalt, Einkaufen, Familie und das Sportprogramm. Und kaum ist alles geschafft, beginnt am nächsten Morgen das gleiche Spiel von vorne.

In der Medizin gibt es für die Fähigkeit unseres Körpers, sich durch Veränderungen seiner inneren Abläufe immer wieder an neue Anforderungen anzupassen, einen Begriff: Allostase. Dahinter steckt zunächst etwas ausgesprochen Sinnvolles, denn ohne diese Anpassungsfähigkeit könnten wir unseren Alltag kaum bewältigen. Wenn diese Systeme allerdings über längere Zeit stark beansprucht werden und ausreichende Erholungsphasen fehlen, kann sich eine zunehmende Belastung aufbauen. Fachleute sprechen dann von allostatischer Belastung.

Keine Sorge, diese Begriffe musst du dir nicht merken. Viel wichtiger ist die Erkenntnis dahinter: Nur weil du deinen Alltag erfolgreich bewältigst, bedeutet das nicht automatisch, dass du dich ausreichend erholst.

Und jetzt wird es richtig interessant. Denn die möglichen Auswirkungen anhaltender Belastungen zeigen sich manchmal an Körperstellen, die du überhaupt nicht mit Stress in Verbindung bringen würdest.

Deine Haare fallen aus. Aber der Auslöser ist längst Geschichte!

Stell dir vor, du stehst morgens im Badezimmer, kämmst deine Haare und stellst plötzlich fest, dass ungewöhnlich viele davon in deiner Bürste hängen bleiben. Du überlegst, woran das liegen könnte, denn eigentlich läuft dein Leben gerade ganz gut. Besonderen Stress hast du jedenfalls nicht. Zumindest nicht im Moment.

Aber wie sah dein Leben vor zwei oder drei Monaten aus?

Genau hier liegt die Überraschung! Unsere Haare wachsen nämlich nicht dauerhaft im gleichen Tempo, sondern durchlaufen verschiedene Phasen: Wachstum, Übergang und Ruhe. Nach einer erheblichen körperlichen oder psychischen Belastung können mehr Haare als gewöhnlich in ihre Ruhephase übergehen.

Der sichtbare Haarausfall tritt dann häufig erst etwa zwei bis drei Monate später auf. Dieses Phänomen nennt sich telogenes Effluvium.

Mögliche Auslöser sind beispielsweise schwere Infekte mit Fieber, Operationen, Geburten, starker Gewichtsverlust oder ausgeprägte psychische Belastungen. Das Verrückte daran ist, dass der ursprüngliche Auslöser längst vorbei sein kann, wenn du den Haarausfall überhaupt bemerkst.

Deine Haare reagieren möglicherweise auf etwas, das du gedanklich längst abgehakt hast! 😳

Natürlich bedeutet das nicht, dass jeder Haarausfall durch Stress entsteht. Auch Eisenmangel, Schilddrüsenerkrankungen, Medikamente und zahlreiche weitere Ursachen können dahinterstecken. Ungewöhnlicher oder anhaltender Haarausfall sollte deshalb medizinisch abgeklärt werden. Aber vielleicht verstehst du jetzt, warum der Zeitpunkt eines Symptoms nicht immer mit dem Zeitpunkt seines Auslösers übereinstimmt. Und die Haare sind längst nicht die Einzigen, die auf Belastungen reagieren können.

Du möchtest mehr darüber erfahren, warum Haare ausfallen können und welche Ursachen dahinterstecken? In meinem 🔗E-Book zum Thema Haarausfall beleuchte ich die Zusammenhänge ausführlicher.

Deine Haut hat schlechte Laune? Stress könnte mitreden!

Du hast einen wichtigen Termin, eine anstrengende Phase oder einfach unglaublich viel um die Ohren. Und ausgerechnet jetzt sprießen Pickel oder deine Akne verschlechtert sich?

Na, vielen Dank auch! 🤣

Tatsächlich stehen unsere Haut, unser Nervensystem und unsere Immunregulation in einem engen Austausch. Stress kann hormonelle und entzündliche Prozesse beeinflussen, die bei bestimmten Hauterkrankungen eine Rolle spielen. Bei bestehender Akne können sich Beschwerden deshalb unter psychischer Belastung verschlimmern. Das bedeutet allerdings nicht, dass Stress die alleinige Ursache von Akne ist. Hier wirken mehrere Faktoren zusammen, beispielsweise genetische Veranlagung, hormonelle Einflüsse, Talgproduktion und Entzündungsprozesse.

Stress kann also gewissermaßen Öl ins Feuer gießen, ohne das Feuer selbst entzündet zu haben.

Und eines sollten wir an dieser Stelle unbedingt festhalten: Akne ist kein Zeichen mangelnder Körperpflege!

Während sich die Haut bemerkbar macht, könnte allerdings an einer ganz anderen Stelle ebenfalls einiges durcheinandergeraten. Denn auch unser Hormonsystem bleibt von erheblichen Belastungen nicht grundsätzlich unberührt.

Deine Periode kommt zu spät? Vielleicht hat dein Gehirn mitzureden!

Was hat Stress bitte mit deiner Menstruation zu tun? Tatsächlich eine ganze Menge!

Unser Zyklus wird nämlich nicht einfach nur von den Eierstöcken gesteuert. Eine wichtige Schaltzentrale sitzt im Gehirn: der Hypothalamus. Er ist an der hormonellen Steuerung beteiligt, die unter anderem den Eisprung ermöglicht. Bei erheblicher psychischer Belastung, sehr intensivem Training oder einer zu geringen Energiezufuhr kann dieses fein abgestimmte Zusammenspiel gestört werden. Der Eisprung verschiebt sich möglicherweise oder bleibt ganz aus. Und wenn sich der Eisprung verschiebt, verschiebt sich häufig auch die nächste Menstruation.

Bei stärkeren oder länger anhaltenden Störungen kann die Regelblutung sogar vollständig ausbleiben. Eine mögliche Form davon ist die sogenannte funktionelle hypothalamische Amenorrhö. Das klingt kompliziert, beschreibt aber vereinfacht eine Störung der Zyklussteuerung, bei der das Gehirn aufgrund bestimmter Belastungs- und Versorgungssituationen die üblichen hormonellen Signale verändert.

Allerdings ist Vorsicht geboten: Eine verspätete Periode ist noch lange kein Beweis für Stress! Auch eine Schwangerschaft, Schilddrüsenerkrankungen, das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) und andere Ursachen müssen berücksichtigt werden. Wenn deine Menstruation drei Monate lang ausbleibt oder wiederholt auffällig unregelmäßig ist, solltest du das unbedingt ärztlich abklären lassen.

Und nein, dein Körper entscheidet natürlich nicht bewusst, dass gerade keine Zeit für einen Eisprung ist. So einfach funktioniert unsere Hormonregulation nicht. Trotzdem zeigt dieses Beispiel eindrucksvoll, wie eng unser Gehirn, unsere körperliche Belastung und andere Körperfunktionen miteinander verbunden sind.

Apropos Verbindung zwischen Gehirn und Körper: Da gibt es noch einen Kandidaten, der sich besonders gerne zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt bemerkbar macht.

Dein Bauch meldet sich. Ungefragt. Und meistens zum schlechtesten Zeitpunkt!

Du sitzt in einer wichtigen Besprechung oder bist gerade dabei, dich für einen Termin fertig zu machen. Die Zeit drängt, du musst gleich los und plötzlich meldet sich dein Darm mit einer gewissen Dringlichkeit. Ausgerechnet jetzt?! 🤣

Vielleicht kennst du aber auch das Gegenteil. Nach einer anstrengenden Woche fühlt sich dein Bauch aufgebläht an, du hast Verstopfung oder unangenehme Bauchschmerzen, obwohl du eigentlich nichts Ungewöhnliches gegessen hast.

Was hat dein Kopf bloß mit deinem Bauch zu tun? Eine ganze Menge!

Zwischen Gehirn und Verdauungstrakt besteht eine wechselseitige Verbindung, die sogenannte Darm-Hirn-Achse. Über Nervenbahnen, Hormone und weitere Signalwege tauschen beide ständig Informationen aus.

Psychische Belastungen können unter anderem beeinflussen, wie sich der Darm bewegt, wie empfindlich er auf bestimmte Reize reagiert und wie wir Verdauungsbeschwerden wahrnehmen. Manche Menschen reagieren mit Durchfall, andere mit Verstopfung, Übelkeit oder Bauchschmerzen. Besonders beim Reizdarmsyndrom können Stress und Beschwerden eng miteinander zusammenhängen.

Aber auch hier gilt: Nicht jedes Bauchproblem lässt sich mit einem vollen Terminkalender erklären. Anhaltende oder neu auftretende Beschwerden sollten medizinisch beurteilt werden. Blut im Stuhl, ungewollter Gewichtsverlust oder starke Schmerzen sind beispielsweise Warnzeichen, die nicht einfach als Stressreaktion abgetan werden sollten.

Bis hierhin haben wir bereits gesehen, dass sich Belastungen auf ganz unterschiedliche Körperfunktionen auswirken können. Doch jetzt kommen wir zu einem Phänomen, bei dem vermutlich einige Leser spontan ausrufen werden: **„JA! Genau das ist mir auch schon passiert!“**

Endlich Urlaub! Und plötzlich liegst du flach. 🤧

Wochenlang hast du funktioniert. Gearbeitet, organisiert, Termine erledigt und nebenbei vielleicht schon die Koffer gepackt. Jetzt ist endlich Freitag, der letzte Arbeitstag liegt hinter dir und dein wohlverdienter Urlaub beginnt. Du schläfst aus, freust dich auf ein paar freie Tage und möchtest einfach nur entspannen. Keine Termine, kein Wecker, keine Verpflichtungen. Herrlich!

Und dann beginnt plötzlich dein Hals zu kratzen. Die Nase läuft, der Kopf brummt und vielleicht bekommst du sogar Fieber. ERNSTHAFT JETZT?!

Während der gesamten stressigen Zeit hast du funktioniert und ausgerechnet im Urlaub wirst du krank? Hat dein Immunsystem etwa heimlich auf den Feierabend gewartet?

Willkommen bei der sogenannten Leisure Sickness!

Das Phänomen, dass Menschen besonders zu Beginn ihrer Freizeit oder ihres Urlaubs über Beschwerden berichten, ist schon länger bekannt. Es trägt sogar einen Namen: Leisure Sickness, sinngemäß also Freizeitkrankheit. Klingt fast wie eine exklusive Urlaubsleistung. Leider ohne Wellnessanwendung und Frühstücksbuffet. 🤣

Bereits 2002 beschäftigte sich eine niederländische Pilotstudie mit Menschen, die solche Erfahrungen beschrieben. Aber warum passiert das überhaupt? Macht Entspannung plötzlich krank?

Nein, so einfach ist es natürlich nicht. Unser Immunsystem arbeitet schließlich nicht nach Dienstplan. Es schaltet sich während der Arbeit nicht auf Hochleistung und geht anschließend gemeinsam mit uns in den Urlaub. Allerdings stehen unsere Stressregulation und unser Immunsystem miteinander in Verbindung. Länger anhaltende psychische Belastung wurde in wissenschaftlichen Untersuchungen unter anderem mit einer erhöhten Anfälligkeit für Atemwegsinfektionen in Zusammenhang gebracht.

Und es gibt noch einen anderen wichtigen Punkt, den wir gerne vergessen: Eine Erkältung beginnt nicht erst dann, wenn deine Nase läuft! Zwischen der Ansteckung und den ersten Symptomen können einige Tage liegen. Du könntest dir also bereits während deiner letzten Arbeitstage einen Erreger eingefangen haben, ohne überhaupt etwas davon zu bemerken. Und wenn die Beschwerden schließlich auftreten, bist du zufällig gerade im Urlaub.

Auch veränderte Schlafgewohnheiten, Reisen, neue Kontakte und andere Routinen können eine Rolle spielen. Manchmal nehmen wir Beschwerden in ruhigeren Phasen außerdem deutlicher wahr, weil wir nicht ständig mit anderen Aufgaben beschäftigt sind.

Was wissen wir tatsächlich?

Obwohl das Phänomen schon länger beschrieben und untersucht wird, sind die genauen Mechanismen wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Leisure Sickness ist auch keine allgemein anerkannte eigenständige medizinische Diagnose. Vor allem lässt sich daraus nicht ableiten, dass Entspannung unser Immunsystem plötzlich zusammenbrechen lässt.

Eine Erkältung braucht weiterhin einen Krankheitserreger. Ein freier Samstag reicht dafür nicht! 🤣

Die eigentliche Erkenntnis ist viel interessanter: Unsere Belastung, unsere Immunregulation, der Zeitpunkt einer Infektion und unsere Alltagsgewohnheiten können miteinander zusammenhängen. Warum eine bestimmte Person ausgerechnet am ersten Urlaubstag krank wird, lässt sich trotzdem nicht immer eindeutig beantworten. Aber vielleicht betrachten wir nach dieser Erklärung den nächsten Urlaubsschnupfen mit etwas anderen Augen.

Und wo wir gerade über Freizeit und Erholung sprechen, sollten wir uns unbedingt noch eine Aktivität anschauen, die eigentlich besonders gesund sein soll.

Und dann wäre da noch der Sport: Ausgleich oder zusätzlicher Pflichttermin?

Sport tut gut! Regelmäßige Bewegung fördert die Gesundheit, unterstützt zahlreiche Körperfunktionen und kann auch dabei helfen, psychische Belastungen besser zu bewältigen. Aber Sport hat eine Besonderheit, die wir gerne übersehen: Training ist selbst eine körperliche Belastung.

Beim Sport steigen Herzfrequenz, Atmung und Energiebedarf. Je nach Intensität verändert sich auch die Ausschüttung verschiedener Stresshormone. Das ist vollkommen normal und gehört zu den Anpassungsprozessen, durch die Training überhaupt wirksam wird. Schließlich soll Training unseren Körper fordern, damit er leistungsfähiger wird. Doch diese Anpassung braucht auch Erholung. Wenn du intensiv trainierst, wenig schläfst, zu wenig isst und gleichzeitig einen anspruchsvollen Alltag bewältigst, können sich diese Belastungen summieren. Und manchmal sitzt der größte Stressfaktor nicht einmal im Fitnessstudio, sondern im eigenen Kopf. Du wolltest eigentlich nur fitter werden, dich mehr bewegen und vielleicht ein paar Muskeln aufbauen. Plötzlich musst du aber unbedingt dreimal pro Woche trainieren, deine tägliche Schrittzahl erfüllen und ständig irgendwelche Fortschritte vorweisen.

Herzlichen Glückwunsch! Dein Hobby hat inzwischen einen strengeren Dienstplan als dein Arbeitgeber. 🤣

Dabei sind sportliche Ziele keineswegs schlecht. Problematisch kann es allerdings werden, wenn das Training dauerhaft zur zusätzlichen Druckquelle wird und ausreichende Erholungszeiten fehlen. Deshalb lohnt es sich, die eigenen Erwartungen gelegentlich zu hinterfragen. Denn eine Trainingspause ist nicht automatisch ein Rückschritt. Sie kann genau das sein, was dein Körper gerade braucht.

Und damit sind wir bei einer Frage angekommen, die nach all diesen Beispielen eigentlich ziemlich naheliegt.

Woran erkennst du, ob dir dein Alltag noch guttut?

Wir haben jetzt über Haare, Haut, Hormone, Verdauung, Immunsystem und Sport gesprochen. Vielleicht hast du dich in einigen Beispielen wiedererkannt oder plötzlich einen Zusammenhang entdeckt, über den du bisher noch nie nachgedacht hast. Vielleicht trifft aber auch keines dieser Beispiele auf dich zu. Beides ist völlig in Ordnung.

Wichtig ist nur, aus den beschriebenen Zusammenhängen keine falschen Schlüsse zu ziehen. Denn es gibt kein einzelnes körperliches Zeichen, an dem du versteckten Stress sicher erkennen kannst. Und ein schlechter Tag ist noch lange kein Beweis für eine dauerhafte Überlastung. Trotzdem lohnt es sich, gelegentlich genauer hinzuschauen und sich ein paar ehrliche Fragen zu stellen.

Schläfst du ausreichend und fühlst dich morgens tatsächlich erholt? Kannst du nach einem anstrengenden Tag abschalten oder kreisen deine Gedanken noch stundenlang um die Arbeit? Hast du Freizeit, in der du wirklich nichts leisten musst? Machst du deinen Sport aus Freude oder zunehmend aus Pflichtgefühl? Haben sich körperliche Beschwerden verändert, ohne dass du die Ursache kennst? Und gönnst du dir eigentlich regelmäßig Erholung oder erst dann, wenn du völlig erschöpft bist?

Diese Fragen sind kein medizinischer Stresstest. Sie sollen dir lediglich helfen, deinen Alltag einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Vielleicht fällt dir dabei etwas auf, das du bisher gar nicht als Belastung wahrgenommen hast. Und dann stellt sich natürlich die nächste Frage: Was kannst du eigentlich dagegen tun?

Du möchtest deine eigenen Gewohnheiten und Belastungen einmal genauer betrachten? Mit meinem Gesundheits-Check-in 🔗„Wie läuft’s?“ erhältst du eine individuelle Auswertung deiner Angaben und erste Anregungen für deinen Alltag.

Was hilft? Bitte nicht noch einen Termin zur Entspannung!

Natürlich könnten wir jetzt eine lange Liste mit Entspannungsmethoden zusammenstellen. Meditation, Yoga, Atemübungen, Spaziergänge und eine perfekte Abendroutine. Alles kann sinnvoll sein, wenn es zur jeweiligen Person und Situation passt.

Aber stell dir bitte einmal Folgendes vor: Du hast ohnehin schon einen vollen Tag und jetzt musst du zusätzlich morgens meditieren, mittags spazieren gehen, abends Yoga machen und vor dem Schlafengehen noch dein Entspannungstagebuch ausfüllen.

Herzlichen Glückwunsch! Du hast gerade aus deiner Erholung ein neues Projekt gemacht! 🤣

Dabei geht es gar nicht darum, möglichst viele Entspannungstechniken in deinen Alltag zu pressen. Oft beginnt eine sinnvolle Veränderung viel früher. Vielleicht brauchst du einfach mehr Schlaf oder eine realistischere Trainingsplanung. Vielleicht solltest du gelegentlich einen Termin absagen, Unterstützung annehmen oder eine Erwartung an dich selbst hinterfragen. Manchmal hilft regelmäßige Bewegung, manchmal ein gutes Gespräch und manchmal eine ganz bewusste Pause. Und gelegentlich besteht die sinnvollste Veränderung tatsächlich darin, einfach weniger auf einmal zu wollen.

Welche Maßnahmen helfen, hängt natürlich von den persönlichen Belastungen und Bedürfnissen ab. Bei anhaltender Erschöpfung, erheblichen Schlafproblemen oder auffälligen körperlichen Beschwerden sollte außerdem ärztlich geprüft werden, ob andere Ursachen dahinterstecken. Denn nicht alles, was sich nach Stress anfühlt, ist auch Stress.

Fazit: Vielleicht stellst du dir bisher die falsche Frage!

„Habe ich Stress?“

Diese Frage beantworten wir meistens danach, wie wir uns gerade fühlen. Sind wir genervt, überfordert oder angespannt, fällt die Antwort leicht. Aber was ist mit all den Belastungen, die wir gerne auf uns nehmen? Mit dem Job, für den wir brennen, den sportlichen Zielen, die uns motivieren, oder der aufregenden Reise, auf die wir uns seit Monaten freuen? Was ist mit dem Alltag, den wir scheinbar mühelos bewältigen, weil wir uns längst daran gewöhnt haben? Auch dort kann unser Körper gefordert sein, ohne dass wir es automatisch als unangenehmen Stress erleben.

Das macht die schönen Dinge nicht schlecht. Und es bedeutet auch nicht, dass jeder Pickel, jeder verspätete Zyklus oder jede Erkältung ein verstecktes Stresssignal ist. Es bedeutet lediglich, dass unser Körper auf deutlich mehr reagiert als auf das, was wir bewusst als Stress bezeichnen.

Vielleicht sollten wir deshalb nicht nur fragen, ob wir gestresst sind, sondern gelegentlich auch, wie viel wir unserem Körper eigentlich täglich abverlangen und wann wir ihm Gelegenheit geben, sich davon zu erholen. Denn nur weil du alles geschafft hast, bedeutet das noch lange nicht, dass du keine Pause gebraucht hättest.

Und ganz nebenbei: Du musst dir diese Pause nicht erst verdienen. ❤️

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*Gesunderfolgreich 🍏 – Gesundheitswissen, das verständlich bleibt, zum Nachdenken anregt und gelegentlich auch ein bisschen frech werden darf.*

 

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