Erkältung ist Training für's Immunsystem
Erkältung ist Training für's Immunsystem

Erkältung ist kein Problem – sie ist Training!

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Warum dein Körper weiß, was er tut

(…und Medikamente nur begleiten sollten!)

Eine Erkältung fühlt sich unangenehm an.
Verstopfte Nase, Druck im Kopf, Müdigkeit, vielleicht Fieber.
Und fast automatisch entsteht der Wunsch, diese Symptome möglichst schnell „wegzumachen“.

Dabei lohnt es sich, einen Moment innezuhalten.
Denn viele der Symptome, die wir als störend empfinden, sind keine Fehlfunktionen, sondern gezielte Reaktionen des Körpers.


Erkältung = Training für das Immunsystem

Eine Erkältung ist in den meisten Fällen eine virale Infektion.
Und sie ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Immunaktivität.

Das Immunsystem ist ein lernendes System.
Jeder Kontakt mit Viren schult:

  • die Erkennung von Erregern

  • die Geschwindigkeit der Abwehr

  • das immunologische Gedächtnis

-> Ohne solche Reize gäbe es keine stabile, belastbare Immunabwehr.
In diesem Sinne ist jede Erkältung ein Trainingsimpuls – wenn man dem Körper erlaubt, ihn sauber zu durchlaufen.


Was im Körper konkret passiert – und warum Symptome Sinn machen

Sobald Viren auf die Schleimhäute treffen, startet eine exakt abgestimmte Kaskade:

1. Entzündung – kein Fehler, sondern Werkzeug

Entzündung ist eine aktive Abwehrreaktion:

  • Gefäße erweitern sich

  • Schleimhäute schwellen an

  • Immunzellen gelangen ins betroffene Gewebe

Das erklärt Symptome wie:

  • verstopfte Nase

  • Druckgefühl im Kopf

  • allgemeines Krankheitsgefühl

-> Diese Reaktion dient dazu, Erreger lokal zu begrenzen und zu bekämpfen.


2. Fieber – gezielte Abwehr, kein Gegner

Fieber ist eines der am meisten missverstandenen Symptome.

Eine erhöhte Körpertemperatur ist kein Kollateralschaden, sondern Teil der Immunstrategie:

  • Viele Viren können sich bei höheren Temperaturen schlechter vermehren

  • Abwehrzellen arbeiten bei leicht erhöhter Temperatur effizienter

  • Stoffwechselprozesse der Immunabwehr laufen schneller ab

Kurz gesagt:
Fieber schafft ein Milieu, in dem sich Viren unwohl fühlen – und das Immunsystem im Vorteil ist.

-> Wird Fieber reflexartig unterdrückt, kann genau dieser Effekt abgeschwächt werden.
Das bedeutet nicht, dass man hohes oder belastendes Fieber „aushalten muss“ –
aber es erklärt, warum leichtes bis moderates Fieber oft Teil der Lösung ist.


3. Müdigkeit und Rückzug – Schutzmechanismen des Gehirns

Bestimmte Botenstoffe, die bei Infekten ausgeschüttet werden, wirken direkt auf das Gehirn.
Sie sorgen dafür, dass:

  • Antrieb sinkt

  • Konzentration nachlässt

  • der Wunsch nach Ruhe steigt

-> Dieses sogenannte Krankheitsverhalten ist neurobiologisch sinnvoll.
Der Körper reduziert alles, was Energie kostet, um sie dort einzusetzen, wo sie gebraucht wird: im Immunsystem.


Warum „Durchziehen“ die Erkältung verlängern kann

Stress – körperlich oder mental – wirkt direkt auf die Immunabwehr:

  • Stresshormone wie Cortisol bremsen notwendige Entzündungsprozesse

  • Abwehrreaktionen werden abgeschwächt

  • Regeneration verzögert sich

Das Ergebnis sind oft:

  • längere Krankheitsverläufe

  • Rückfälle

  • das Gefühl, „nicht richtig gesund zu werden“

Nicht, weil der Körper schwach ist –
sondern weil er keine Ruhe bekommt.


Medikamente bei Erkältung: Symptomlinderung ist keine Therapie

Und damit kommen wir zu einem entscheidenden Punkt.

Eine Erkältung ist in der Regel nicht kausal medikamentös therapierbar.
Medikamente können Symptome lindern – sie beseitigen aber nicht die Ursache.

Das ist wichtig zu verstehen!


Kombipräparate: viel drin – wenig sinnvoll

Gerade bei Erkältungen sind sogenannte Kombipräparate sehr beliebt
(z. B. Präparate mit Schmerzmittel + Koffein + Vitamin C).

Das Problem:

  • Sie behandeln mehrere Symptome gleichzeitig

  • auch solche, die man vielleicht gar nicht hat

Beispiel:
Wenn lediglich die Nase verstopft ist:

  • braucht es kein Schmerzmittel

  • kein Koffein, das den Kreislauf pusht

  • keine „Rundumversorgung“

Koffein kann:

  • Unruhe fördern

  • den Körper künstlich leistungsfähiger erscheinen lassen

  • dazu verleiten, sich zu früh zu belasten

Solche Präparate überdecken Symptome, statt gezielt zu begleiten.


Besser: symptombezogen und bewusst

Sinnvoller ist ein gezielter, bedarfsorientierter Einsatz:

  • Nasenspray bei starker Nasenverstopfung (zeitlich begrenzt)

  • Schmerzmittel nur bei relevantem Leidensdruck

  • fiebersenkende Mittel bei hohem oder belastendem Fieber

Die Leitfrage sollte immer sein:

Unterstützt dieses Medikament meinen Körper –
oder hilft es mir nur, meine Grenzen zu ignorieren?


Medikamente begleiten – sie ersetzen keine Heilung

Medikamente können:

  • entlasten

  • Schlaf ermöglichen

  • Symptome erträglicher machen

Aber sie sollten nicht dazu dienen, den Körper zu überlisten oder zu überfahren.

Gerade bei Erkältungen gilt:

  • Das Verstoffwechseln der Medikamente (Abbau über Nieren und Leber) bedeutet zusätzliche Arbeit und Energieaufwand für den Körper!

Weniger ist oft mehr – und Geduld ist Teil der Therapie.


Warum Sport während einer Erkältung keine gute Idee ist

Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, dass Sport bei einer Erkältung helfen könne oder zumindest „nicht schade“. Sport wird dabei oft nicht als Belastung wahrgenommen, sondern als etwas grundsätzlich Gesundes. Physiologisch ist Sport jedoch immer eine Stress- und Belastungssituation für den Körper.

Während einer Erkältung arbeitet das Immunsystem bereits auf Hochtouren. Energie, Nährstoffe und Regulationsmechanismen sind auf die Abwehr der Viren ausgerichtet. Sport konkurriert in dieser Phase direkt mit dem Immunsystem um genau diese Ressourcen. Herz-Kreislauf-System, Muskulatur und Stoffwechsel werden zusätzlich gefordert, während die Regeneration eigentlich Priorität hätte.

Auch wenn sich Symptome auf eine „harmlose“ Rotznase beschränken, bedeutet das nicht, dass der Körper voll belastbar ist. Müdigkeit, reduzierte Leistungsfähigkeit und Antriebslosigkeit sind keine Zufallserscheinungen, sondern Schutzmechanismen, die den Körper zur Ruhe zwingen sollen. Werden diese Signale ignoriert, kann sich der Infekt verlängern oder verschleppen.

Besonders problematisch ist die Vorstellung, man könne eine Erkältung „ausschwitzen“. Viren werden nicht über Schweiß ausgeschieden, sondern durch das Immunsystem bekämpft. Sport in der akuten Infektphase kann stattdessen das Risiko für Komplikationen erhöhen, insbesondere für Belastungen des Herz-Kreislauf-Systems, z.B. die Herzmuskelentzündung.

Aus medizinischer Sicht gilt daher: Solange der Körper mit einer Infektion beschäftigt ist, ist Erholung die sinnvollere Unterstützung als körperliche Belastung.

-> Sport ist wichtig – aber nicht während einer Erkältung!


Wann ärztliche Abklärung wichtig ist

Dieser Text ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.

Eine ärztliche Abklärung ist notwendig bei:

  • hohem oder anhaltendem Fieber

  • stark reduziertem Allgemeinzustand

  • Trink- oder Essverweigerung

  • ausgeprägter Atemnot

  • starken Schmerzen

  • Verschlechterung statt Besserung

Gerade bei Flüssigkeitsmangel oder schweren Verläufen braucht es medizinische Begleitung.
Hier reicht Selbstfürsorge allein nicht aus.


Fazit

Eine Erkältung ist kein Gegner.
Sie ist ein biologischer Prozess – sinnvoll, lernfähig und meist selbstlimitierend.

Medikamente sind keine Feinde,
aber sie sind Werkzeuge, keine Abkürzung zur Gesundheit.

Wer lernt, Symptome zu verstehen statt sie reflexartig zu bekämpfen,
unterstützt den Körper dort, wo er am besten arbeitet.

Mit dem Körper – nicht gegen ihn.

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